Die Sternbrückenclubs Astrastube, Fundbureau und Waagenbau sind seit einem Vierteljahrhundert fest an der Sternbrücke verwurzelt und ein lebendiger Teil ihrer langen Geschichte.

Mittlerweile haben sich einige, weitere Kulturbetriebe rund um die Brücke angesiedelt. Die Sternbrücke gilt als das Herz der Subkultur in Hamburg. Hier finden jedes Jahr hunderte Konzerte und tausende Auftritte von künstlerischen DJs bei legendären Partys statt. Allein in der Astrastube spielen jährlich über 300 Nachwuchsbands. Zudem gehören Nachtflohmärkte, Ausstellungen, Theateraufführungen, Podcasts und vieles mehr zu dem bunten Treiben am Rande des Schanzenviertels.

Von Beginn an war klar, dass die Flächen unter der Brücke nur als Zwischennutzung zur Verfügung stehen, da die Sternbrücke bereits damals als dringend erneuerungsbedürftig galt. Aber bekanntlich hält nichts länger als ein Provisorium, besonders wenn es mit Gaffatape, Kabelbindern und so viel Liebe verschnürt ist! Das Verhältnis zwischen der Bahn als Vermieterin und den Musikclubs war zu Beginn nicht immer ganz einfach. Seit einigen Jahren und nach vielen Gesprächen ist die Kommunikation jedoch mittlerweile vertrauensvoll und sehr positiv. Wir werden fortlaufend über die Planungen rund um die anstehenden Arbeiten an der Sternbrücke von der Deutschen Bahn informiert und arbeiten Hand in Hand an Lösungen für unsere Zukunft.

Bei allem Vertrauen haben wir in den letzten Jahren parallel zu den Gesprächen mit der Deutschen Bahn auch immer wieder mit neutralen BrückenbauingenieurInnen über den Zustand der Sternbrücke gesprochen. Die Diskussion rund um die Arbeiten an der Brücke war und ist für uns immer auch ein Kampf um unsere geliebten Hallen und schlicht um unser Überleben.

Alle kamen zu demselben Ergebnis: Die Sternbrücke und auch der angrenzende Bahndamm, in dem wir Clubs uns befinden, sind offensichtlich etwas mehr als nur in die Jahre gekommen. Eine Sanierung ist natürlich immer eine Möglichkeit, welche auch handwerklich umsetzbar wäre. Irgendwie. Dies ist jedoch in diesem Falle weder technisch noch wirtschaftlich im Ansatz sinnvoll.

Insbesondere für uns Clubs bedeutet eine Sanierung der Brücke das Gleiche wie ein Neubau: Wir werden unsere Räume verlieren! Dies wurde und wird an einigen Stellen bewusst oder unbewusst anders dargestellt und ist schlichtweg falsch. Eine Sanierung der Brücke rettet die Clubs und den Kulturstandort nicht! Auch wir würden natürlich unsere geliebte Sternbrücke gerne behalten, wie sie ist. Wir haben gemeinsam mit unzähligen und einzigartigen KünstlerInnen mit dafür gesorgt, dass sie der souligste Platz in ganz Hamburg geworden ist. Und wir lieben unser Zuhause!

Modellbeispiel Sternbruecke Hamburg
Modellbeispiel Sternbruecke Hamburg

Wir sind, wie die meisten unserer NachbarInnen, der festen Meinung, dass an der Sternbrücke weder eine vierspurige Straße noch eine Monsterbrücke Platz hat. Und dass es auf dem Weg noch viel zu klären gibt. Genau diese Diskussion möchten wir nun anstoßen und unsere Ideen vorstellen. Ein Neubau birgt viele Risiken. Aber eben auch viele Chancen: Im Zuge der Bauarbeiten besteht die Möglichkeit, den Kulturstandort Sternbrücke von einem Provisorium in ein Definitivum zu überführen. Die neu entstehenden Flächen gemeinsam mit dem Stadtteil und seinen BewohnerInnen zu gestalten. Und die neue Sternbrücke zu dem werden zu lassen, was die Alte schon ist: Ein Wahrzeichen für das Viertel und ein Ort, am dem man trotz des omnipräsenten Trubels gerne lebt und den man gerne besucht!

Wir Sternbrückenclubs haben in Abstimmung mit der Bahn einen Plan für den Neubau der Clubs direkt an der Sternbrücke erarbeitet. Richtig, direkt an unserem jetzigen Standort!! Im Norden der Brücke befindet sich ein Grundstück, das ursprünglich als Baustelleneinrichtung vorgesehen war. Dies wird in weiten Teilen als Fläche zum Einhängen der Brücke benötigt. Dennoch wäre es möglich, dort in zwei Bauabschnitten vor Beginn der Brückenarbeiten ein neues Zuhause für die Sternbrückenclubs und alle anderen, vom Umbau betroffenen Kulturbetriebe zu errichten. Zusätzlich planen wir eine Kindertagesstätte, die nicht nur durch einen musikalischen Schwerpunkt gut zu den Clubs passt, sondern auch ein Angebot für Eltern bereitstellt, die abends, nachts und vor allem am Wochenende arbeiten müssen. Nach der Fertigstellung der Brücke wird das Gebäude fertig gestellt und durch weitere, musikalische Nutzungen wie Bandprobenräume, Aufnahmestudios und Übernachtungsmöglichkeiten für KünstlerInnen ergänzt.

Klar ist, dass unser Stadtteil keine weiteren Gastronomiebetriebe verträgt und bei aller Planung die BewohnerInnen rund um die Sternbrücke im Vordergrund stehen müssen. Das neue Gebäude soll der Logik der Immobilienwirtschaft entzogen und entkommerzialisiert werden. Ziel ist es, das Grundstück und das neue Gebäude in die Hände einer gemeinnützigen Hamburger Stiftung zu überführen, die wie wir dem Gedanken folgt, den Kulturstandort zu sichern und diesen Dialog mit den AnwohnerInnen weiter zu entwickeln. Dabei setzen wir uns für eine umfangreiche Bürgerbeteiligung ein. Es gibt noch viele, weitere Flächen rund um die und unter der neuen Brücke, die mit eben gefüllt und dem Stadtteil zugänglich gemacht werden können!

Der Bau für unser neues Zuhause muss jedoch so schnell wie möglich beginnen, damit ein reibungsloser Umzug überhaupt noch machbar ist. Ein Club lebt nicht zuletzt von den Menschen, die dort arbeiten. Und gerade Subkulturclubs sind wirtschaftlich sehr zerbrechliche Gebilde. Eine Schließung für die Vielzahl der Jahre eines solchen Bauvorhabens würde für uns eine Schließung für immer bedeuten. Eine Exil-Lösung für EINEN Club zu finden wäre schon sehr schwer, für DREI Clubs ist dies de facto unmöglich. Deshalb brauchen wir jetzt Planungssicherheit! Und bitten die Stadt Hamburg, noch in diesem Jahr eine Lösung mit uns zu erarbeiten.

Natürlich stehen wir vor den gleichen Fragen wie viele Menschen, die an der Brücke leben. Wir haben keine Lust auf einen grauen Stahlkoloss, der den Weg für riesige Autokolonnen frei macht. Daher haben wir neben konkreten Vorschlägen für ein neues Zuhause der Clubs die Brücke und auch den Verkehrsraum neugestaltet. Wir möchten zeigen, dass es auch anders geht! Mit Tempo 30 in allen Richtungen. Mit Busspuren, die dort dringend benötigt wird. Mit viel Platz für Fußgänger und Radfahrer. Und vor allem mit einer Brücke, die nicht als Monster daherkommt, sondern sich in das Stadtbild einfügt und es bereichert. Die den Standort und seine Geschichte würdigt und zeitgleich Platz für die nächsten Kapitel lässt. Die den Charme der Sternbrücke erhält und um neue Elemente ergänzt. So sollen beispielsweise neben der Nutzung der Originalsteine an den Fassaden auch Stahlteile der alten Brücke wieder verbaut und Freiräume für die Stadtteilarbeit und gemeinnützige Träger erschlossen werden.

Wir wissen, dass vor uns ein langer Weg liegt. Aber einer, an dessen Ende wir hoffentlich nie wieder ein Damoklesschwert über unserer Türschwelle fürchten müssen. Auf dem wir gemeinsam einen Ort schaffen, an dem wir alt werden und zeitgleich vielen jungen Menschen die Liebe zur Musik und Kultur erlebbar machen können!

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